November 2010 - Christina Waidelich

Nestgefühl
Ausstellung vom 7. November bis 21. November 2010
Finnissage: Sonntag 21. November 15 bis 18 Uhr
Sabine Wen-Ching Wang
Texte zur Ausstellung „Nestgefühl" von Christina Waidelich
Moos vielleicht, dunkles goldenes Moos, das im Schatten wächst, oder Stein, der durch Wasser glänzt, Algen vielleicht, die in Brünnen sich wiegen, kräftig grün und wie in Zeitlupe, weißer Kiesel vielleicht, so hart, dass man auf Fels schreiben kann, Schatten vielleicht, von Bäumen, die am Ufer stehen, von Zweigen, Ästen, Blättern, die über dem Bach hängen, Schatten von Fischen, Treibgut, verfangenem Geäst, die Kühle des Wassers vielleicht, taucht man den Fuß hinein.
Häuser, die vor leerem Himmel auf den Kuppen der Hügel stehen, so weit weg, dass ihre Umrisse eins werden mit dem Grund. Hügel, die von fern aussehen, als ende dort die Welt. Man fürchtet über ihren Rand zu stürzen, man hofft, man sähe von dort aus weit.
Häuser, die wie Würfel fallen, an den Riesen erinnern, der in seiner Wut ein ganzes Dorf aufhob und über alle Hügel verstreute. Häuser, bloß Schatten auf Schnee.
Löcher vielleicht, für Samen, Setzlinge, Stecklinge. Furchen vielleicht, mit Rechen gezogen oder Traktor? Gänge vielleicht, heimliche, unterirdische, vom Regen freigelegte Mäuse Maulwurf Wurmgänge. Schnee vielleicht, Gülle vielleicht, die in den Schnee sickert, schöner vielleicht, Gletschermilch, Schmelzwasser, das man hört in den Hängen, Schnee, der taut, Decke, die immer dünner wird, Zungen von Schnee, die übrig geblieben, Reste, Flecken, die immer kleiner auslaufen an den Rändern, brüchiges Eis. Wagenspur vielleicht, Naßschnee vielleicht, durch den der Grund drückt, der Asphalt der Strasse, die Narbe des Grases, Erde, dunkel, feucht, fruchtbar, krümelig, trocken, hell.

