Juli 2009 - KUH-art
Sammelausstellung mit amüsanten Viechereien
26. Juni bis 8. August 2009
Die Galerie am Landsgemeindeplatz zeigte ein breites Angebot an Kunstobjekten zum Thema Kuh. Das allseits beliebte Trogener Künstlerpaar Unger zeigte von Hermann präzis geschnitzte und von Vreni fein säuberlich bemalte Küheund Alpaufzüge.
Weit herumbekannt ist die Appenzeller Malerin und Galeristin Carmela Inauen mit ihren Kühen auf Jutesäcken als Malhintergrund.
Von Christoph Fuchs stammen witzig präsentierte Sandsteinskulpturen in Form von „Chuäfödlä".
Farbenfroh präsentieren sich die leichtfüssigen Glasskulpturen von Barbara Helfer. Im spannenden Kontrast dazu stehen die Linoldrucke vom Toggenburger Walter Näf.
Und kurzfristig dazugestossen ist der Herisauer Maler André „Schorsch" Gloor mit seiner Arbeit „Marilyn & the King", vier farbige Kuhporträts begleitet von einem majestätischen Muni.

Carmela Inauen beschäftigt sich schon bald 30 Jahre mit Malerei. Zur Weiterbildung besuchte sie ab 1981 die Kunstgewerbeschule in St.Gallen.
Als ihr typisches Markenzeichen kann man das Bestreben bezeichnen, traditionelle Sujets- vor allem solche aus dem bäuerlichen Alltag – auf eine moderne Art, um nicht zu sagen, in zeitgenössischem Stil zu interpretieren. Nicht dass sie ihre Kühe ins Abstrakte übergehen liesse – Carmela Inauens Bildinhalte sind immer klar erkennbar. Ohne dass sie sich einer expressionistischen oder gar " wilden " Farbgebung bediente - ihre Bilder wirken eher sanft als grell. Modern sind in ihren Werken eher der Umgang mit Zwischenräumen und die Wahl ungewohnter Materialien. Recht häufig schimmert der blosse Malgrund durch, ein Malgrund, der zum Beispiel aus gewöhnlichen Jutesäcken bestehen kann.

Walter Näf (1960) ist in Wildhaus im Toggenburg aufgewachsen. Als Bauernsohn ist er stark mit den Traditionen und Bräuchen seiner Heimat verwurzelt. Die Alpfahrt und das Leben als Älpler hat er selber erlebt und verarbeitet es in seinen Bildern. Aber auch die Musik und den Jodel des Toggenburgs pflegt er intensiv.
Heute wohnt Walter Näf im Kanton Thurgau. Die Verbundenheit mit seiner Heimat, welche ihn nie ganz losgelassen hat, kommt in seinen Bildern stark zum Ausdruck. Seit vielen Jahren beschäftigt er sich nebst der Aquarell- und Bleistiftmalerei auch mit dem Linoldruck.
Er belegte Aquarell- und Zeichnungskurse bei Catherine Yeomans (Schottland). Den Linoldruck entdeckte er bei einer Ausstellung mit Picasso-Drucken.
Der Alpaufzug ist ein wichtiges Element im Jahreslauf der Sennen im Toggenburg. Die Sujets der Sennenstreifen sind gegeben. Die klaren und einfachen, gradlinigen Formen der Kühe und Sennen erinnern an die naive Malerei, sind aber trotzdem in der Ausgestaltung detailgetreu gearbeitet. Die Wirkung wird zum einen durch das erdige Papier, zum anderen durch die klare Formgebung erzielt. Jedoch die unkonventionelle Anordnung der Sujets setzt den Alpaufzug in einen Bezug zur Moderne. Der Linoldruck mit seinen markanten Umrisslinien und satten Texturen ist sehr aussagekräftig und verstärkt auf ideale Weise den Ursprung der Bilder aus Brauchtum und Natur. Das Wiederfinden der Heimat in seinen Bildern bringt Walter Näf auf seine Weise der Jugendzeit wieder näher und so auch dem „Heimweh-Toggenburger" ein Stück Heimat in seine Welt fern der Churfirsten und der Thur.

Christoph Fuchs
1957: geboren und aufgewachsen in Dübendorf. Schule und Hochbauzeichnerlehre in Zürich. Reisen und Leben in den USA, Mittelamerika.
1980: Umzug ins Appenzellerland. Bauernhausidylle und Aussteigerleben in Wolfhalden. Abwechslungsweise längere Auslandaufenthalte in Südamerika, Spanien, Nordafrika. Zeitweise Arbeiten als Hochbauzeichner in einem Architekturbüro. Parallele Beschäftigung mit Bleistiftzeichnungen und Aquarellen. Skizzieren von alten Bauernhäusern in der Region Vorderland.
1986/1988: Geburt der beiden Töchter. Selbständige Arbeitsaufnahme als Architekturmodellbauer und Hausmann. Planung und Umbau verschiedener Bauernhäuser, Dreidimensionalen Arbeiten gewinnen immer mehr an Bedeutung.
Schule FFR, St. Gallen, Steinbearbeitung in Peccia/ Maggiatal; Steinbearbeitungskurse an der Bildhauerschule der GBS bei Rainer Hardegger.
2000: Umzug nach Lutzenberg. Verwirklichung eines Lebenstraums, intensive Auseinandersetzung mit Kunst und Natur. Einrichten eines Ateliers. Seither intensive Beschäftigung mit verschiedenen Steinen und Holz.
Barbara Helfer
Geboren 1970 in Neukirch-Egnach.
Schon immer war das Arbeiten und Gestalten mit den Händen ihre Passion. Während der Ausbildung als Damenschneiderin und später als Behinderten-Betreuerin in einer Weberei konnte sie sich immer in Farben und Formen ausleben.
Vor 10 Jahren stiess Barbara Helfer auf Glas und deren Bearbeitungsmöglichkeiten. Sie war und ist begeistert von diesem Material und die Freude daran ist ungebrochen. Das Glas schneiden, die verschieden Teile schichten, wieder zu einem Ganzen zusammen fügen und nach etlichen Stunden Brand bei 800 Grad aus dem Ofen zu nehmen, darin besteht für sie der Anreiz mit Glas zu arbeiten. Die Transparenz und die Leuchtkraft der Farben zieht sie immer wieder in Ihren Bann.
In ihrem Atelier in Goldach am Bodensee kann sie ihrer Fantasie freien Lauf lassen, und so entstehen immer wieder neue Glasobjekte. Seit ein paar Jahren gibt sie ihr Wissen auch gerne in Kursen weiter.

Vreni und Hermann Unger sind weit herum bekannt für ihre geschnitzten Miniaturen. Sie zeigen meist realistische Alltagsszenen oder dann kunstvolle bäuerliche Motive wie Alpaufzüge, einzelne Kühe oder Ziegen etc. Als Team haben beide eine klare Aufgabenteilung: Hermann schnitzt und Vreni malt und verziert.
In der aktuellen Ausstellung zeigen die beiden geschnitzte Holzkühe, szenische Miniaturen mit und ohne Sennen, bildliche Kompositionen und bäuerliche Szenen hinter Glas oder auf dem Brett.

André "Schorsch" Gloor
Geboren am 26. August 1931 besuchte Schorsch die Primar & Sekundarschule in Herisau. Nach der Matura studierte er erst an der ETH Zürich und dann am
Bautechnikum in München. Bis 1988 war er als selbständiger Unternehmer in Herisau tätig.
1989 wurde sein Wunsch, endlich zu malen, Wirklichkeit. Er belegte zahlreiche Kurse, so an der Kunstgewerbeschule St. Gallen, u.a. bei Benedikt Eggler und K. Fürer.
An der Schule für Gestaltung in Zürich bei B. Kitamura, M. Frühauf und R. Kuhn. Drei intensive Wochen beim bekannten Maler, Professor Willi Loisel öffnen Schorsch Gloor 1990 den Zugang zur Aquarelltechnik. Diese faszinierte ihn dermassen, dass in den folgenden Jahren immer wieder mehrwöchige Studienaufenthalte bei Professor Loisel folgten. 1992 begann er erstmals im Stadttheater St. Gallen ganze Szenen aus dem Stück „der schwarze Hecht" zu skizzieren. Er fing dermassen Feuer für die Arbeit mit Skizzen, dass er praktisch bis 1998 Dauergast im Theater wurde.
1995 entdeckte Schorsch zudem seine Freude an der Ölmalerei. In den folgenden Jahren lernte und verfeinerte er seine Technik beim bekannten französischen Maler und Professor Olivier Foss.

